Sperriger Titel, oder nicht? Wenn Du jetzt schon weißt, worum es geht, dann bist Du entweder bereits zertifizierter User Experience Professional oder auf dem direkten Weg dorthin. Wenn Du nicht, dann werden die nächsten Zeilen dazu führen, Dich dem Thema zu nähern. Außerdem wirst Du erfahren, welchen Eindruck ich auf dem Weg zur Zertifizierung gemacht habe.
Wofür stehen diese Begriffe?
Zunächst sollten wir die Abkürzungen nochmal besprechen. CPUX-F steht für „Certified Professional for Usability and User Experience”.1 Das „F” für Foundation Level und ist damit die Basiszertifizierung.
Das UXQB ist der Verein, welcher sich um die Prüfungserstellung kümmert.2
Wie ich zu der Teilnahme an diesem Zertifikat kam
Es war der Tag der Tage angebrochen. Auf einen Samstagvormittag hatte ich mir die Prüfung gebucht. Ich war sehr aufgeregt. Teilweise war ich nicht sicher, ob ich aufgeregter war als während der Prüfung zu Hochschulzeiten? Na ja, es war auf jeden Fall mal wieder ’ne neue Form von Prüfung. Mehr dazu nachher. Doch wie kam ich dazu?
Es hat tatsächlich ein wenig gedauert, bis ich mich dazu durchringen konnte, mich nach meinem Studium nochmal hinzusetzen und es endlich durchzuziehen. Etwas „nochmal” zu lernen, was ich ja eigentlich schon mal gelernt habe. Warum nochmal? Weil ich die Grundlagen der User-Experience bereits im Studium ausführlich lernen durfte. Den Tipp, dieses Zertifikat zu absolvieren, erhielt ich von meinem damaligen Professor an der DHBW.
Was ist die CPUX-Zertifizierung und für wen ist sie gedacht?
Die CPUX-Zertifizierungen sind international anerkannte Bescheinigungen für Personen, die sich mit User Experience und Usability beschäftigen. Sie unterteilen sich in CPUX-F als Basislevel und steigern sich dann in die „Advanced-Level” CPUX-UR für Requirement Engineering, CPUX-DS für Design Solutions und zuletzt CPUX-UT für Usability Testing und Evaluation.
Hier beschäftigen wir uns erstmal nur mit der Basiszertifizierung. Sie dient vor allem dazu, die Grundlagen und grundlegende Begriffe kennenzulernen. Wobei ich hierbei den gesamten Prozess meine, vom Lernen des Curriculums über eine mögliche Schulung bis hin zur Prüfung.
Ist das nun also etwas für Dich? Wenn Du beruflich im Bereich der Usability und User Experience tätig bist, dann kann das sicher eine sinnvolle Ergänzung sein. In meinem persönlichen Fall sieht das so aus, dass ich bereits im Onlinemedien-Studium intensiv mit dem Thema betraut wurde. Und auch danach bin ich beruflich dauernd damit in Verbindung. Und wer im Thema drin ist, weiß, dass User Experience mehr ist, als nur Design oder gute Bedienung von Produkten.
Die CPUX-F-Zertifizierung, ihre Inhalte und die Prüfung
Das Curriculum und die Inhalte
Das Curriculum enthält im Grunde alle Begrifflichkeiten, die für die Prüfung relevant sind. Es ist vielleicht sogar mehr eine Art Wörtersammlung mit erweiterter Beschreibung. Es ist für Neulinge, die vorher noch nie damit in Berührung gekommen sind, vermutlich sogar unzureichend oder einfach zu schwer, sich die einzelnen Methoden und Konzepte vorstellen zu können.
Aufgebaut ist das Curriculum rund um den menschenzentrierten Gestaltungsprozess, auch als Human-centered-Design bekannt. Es beginnt dabei mit der Darstellung der HCD-Aktivitäten nach der ISO 9241-210.

Von hier aus geht es dann nach und nach tiefer in die Materie. Jeder dieser Punkte ist folglich ein Thema im Curriculum. Jedes Mal der Begriff, Erklärung und ggf. Beispiel.
Prüfungsfragen und Musterprüfung
Zunächst die gute Nachricht: Es gibt Multiple-Choice-Fragen, 40 Stück, um genau zu sein. Je nach Frage wird auch angezeigt, wie viele der möglichen Antworten richtig sind. Dabei empfiehlt es sich, strategisch vorzugehen. Bist Du Dir bei einer Antwortoption nicht sicher, solltest Du auch nur die sichere Antwort ankreuzen, denn ein falsches Kreuz hebt das richtige wieder auf.

Um einen Eindruck der Fragen zu erhalten, solltest Du Dir auf jeden Fall den Musterfragebogen vorher ansehen und durchgehen. Ich habe das nach meiner Lernphase und damit in der Woche vor meiner Prüfung auch gemacht. Quasi als Generalprobe. Die Fragen sind auf ähnlichem, etwas leichterem Niveau als die eigentliche Prüfung selbst. Jedenfalls war das mein Eindruck.
Der Prüfungsablauf als online Prüfung
Wie einleitend bereits erwähnt, sitze ich nun also da, alleine in meinem Zimmer und alles aufgebaut, wie es der Prüfungsträger verlangt. Wie läuft also die Prüfung genau ab? Ich habe sie online durchgeführt und werde deshalb auch auf diese Form der Prüfung eingehen.

Das Institut gibt nach der Anmeldung einige Formalien vor, die zu erfüllen sind, wenn die Prüfung online durchgeführt wird. Dazu muss vorab ein technischer Check gemacht werden. Dieser enthält einen Test der Webcam, der Mikrofone und Lautsprecher. Außerdem muss eine externe Kamera vorhanden sein, welche meist das Handy oder ein Tablet sind. Diese dient später dann der Überwachung des Prüflings im Raum. Erst als der Tech-Check erfüllt war, durfte ich an der Prüfung teilnehmen. Dies musste mindestens 48 Stunden vor der Prüfung der Fall sein.
Nun ist es dann also so weit, die Prüfung findet statt. Samstag, 10:00 Uhr. Der Personalausweis liegt bereit, alle Bücher wurden verräumt, meine Notizzettel am Fenster, mit einer Decke abgehängt und außer mir ist niemand im Raum. Auch die Technik rund um Webcam und Handy ist verbunden. Die Onlineprüfung kann starten, los geht’s! – Na ja, fast. Erstmal möchte der Instruktor noch ein paar Sachen sehen. Ich muss den Raum mit der Kamera meines Handys abfilmen. Hinter mir, neben mir, über mir, unter meinem Schreibtisch … dann abwarten. Der Instruktor schreibt mir im Chat, dass ich doch bitte noch meine Stifte vom Schreibtisch nehmen soll, da die ja nicht für die Prüfung relevant sind. Also gut, Stifte kommen auch weg. Jetzt aber … nein, noch die Kamera bitte so ausrichten, dass die Eingangstür stets im Blick ist (sonst könnte ja jemand hereinkommen). Und dann noch der Hinweis, dass ich bitte nicht reden darf und mir auch nicht selbst die Fragen leise vorlesen darf. OK! Und dann ging es los. Ich habe 90 Minuten Zeit. Viel Erfolg! Nach knapp 25 min der Vorbereitung konnte ich also starten.
Ich führte also den Test durch und nach knapp 50 min war ich auch schon fertig, zwar deutlich länger als in meinem vorherigen Versuch mit der Musterprüfung, aber immerhin rechtzeitig. Direkt darauf erfolgt dann auch schon die Anzeige, ob ich bestanden habe. Bei mir war nicht ganz alles richtig, aber es hat gereicht. Durchatmen und zufrieden sein. Und natürlich gleich auf LinkedIn teilen 😉
Warum ich keine Schulung besucht habe
Grundsätzlich bieten die Träger an, eine Vor-Ort-Schulung zu besuchen. In der Regel gehen diese von wenigen Tagen bis zu einer Woche. Hier am besten selbst mal beim Anbieter informieren. Ich habe mir gedacht, dass ich das nicht brauche, denn schließlich habe ich die Trainings dazu im Studium gemacht. Der Hauptvorteil, den ich in solchen Prüfungsvorbereitungen sehe, ist, dass sie die Beispiele und Begriffe aus dem Curriculum anschaulich präsentieren. Das ist auch der Grund, warum ich eingangs erwähnte, dass das Curriculum eher eine Begriffssammlung ist. Die Vorstellung zu den Methoden fehlt an mehreren Stellen. Es ist auch gut, dass die Inhalte auch einmal vorher selbst durchgeführt werden. Also selbst mal eine Persona erstellen, einen Low-Fidelity-Prototyp anfertigen oder auch mal selbst in die Rolle eines Interviewers schlüpfen.
Welche Möglichkeiten es gibt die Prüfung durchzuführen
Ich habe die Prüfung beim Institut iSQI durchgeführt. Für diese Nennung erhalte ich keine Entlohnung. Eine Übersicht der Prüfungsmöglichkeiten bietet die UXQB selbst auf ihrer Website an: https://www.uxqb.org/de/ux-training-und-zertifizierung/cpux-f/
Welche Kosten für die Zertifizierung entstehen
Die Lernunterlagen selbst sind kostenfrei erhältlich und können beim Institut UXQB heruntergeladen werden. Die Prüfung kostet dann rund 300 €. Es gibt diverse Rabatte, wie bspw. für Mitglieder der German UPA oder auch für Studenten.
Wenn man als Student nämlich das Zertifikat bucht, dann erhältst Du einen Rabatt von 50 %. Jedenfalls, wenn Du dann auch noch rechtzeitig teilnimmst. Warum erzähle ich das? Nun ja, ich habe es geschafft, dass die Buchung ausläuft. Und dann durfte ich, gegen eine Gebühr von 50 € eine Verlängerung beantragen. Also sei schlau und mach das nicht nach! 😉
Fazit
Nochmal zusammengefasst bedeutet es wie folgt. Die Zertifizierung ist für jeden, der sich beruflich im Bereich der User Experience nochmal schriftlich seine Qualifikation bestätigen lassen möchte. Die Inhalte des Curriculums bieten einen guten Rahmen und Ausgangspunkt. Es anzuwenden ist dann allerdings nochmal etwas anderes und sollte jeder nochmal für sich durchleben.
Ich betrachte die Prüfung als eine, die durchaus gut validiert ist, da sie keinen Raum für Unterschleif bietet. Das zeichnet das Zertifikat insofern aus, dass es valide bestätigt, zumindest die Begrifflichkeiten verstanden zu haben.
Ausblick
Ich habe derzeit noch nicht geplant, eine der weiterführenden Zertifikate zu absolvieren. Das könnte sich allerdings noch mal ändern. Vom iSQI-Institut erhielt ich eine Einjährige Mitgliedschaft bei der German UPA geschenkt, welcher ich nun nachgehe und mir meine Eindrücke sammle. Und auch für diesen Blog möchte ich noch weitere Inhalte aus dem Bereich der User-Experience teilen.
Wenn Du jetzt noch weitere Fragen zu dem Zertifikat oder anderen Themen hast, dann melde Dich gerne bei mir direkt 🙂
Danke fürs Lesen!
Julian, CPUX-F-zertifiziert 😉
- „Certified Professional for Usability and User Experience“ (CPUX) | German UPA. (o. J.). Abgerufen 15. Februar 2026, von https://germanupa.de/wissen/cpux-zertifizierung ↩︎
- Impressum – UXQB. (o. J.). Abgerufen 21. Februar 2026, von https://www.uxqb.org/de/ueber-uns/impressum/ ↩︎